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Kleiner Chor Husum

a Cappella-Liebe

Wenn ein Chor ohne Instrument singt, gibt es nichts, woran man sich festhalten kann. Kein Klavier gibt den Ton vor, keine Orgel trägt den Klang. Alles, was zu hören ist, kommt von Menschen, die einander zuhören.

Jede Sängerin und jeder Sänger muss die eigene Stimme sicher halten, Ton für Ton, auch wenn um sie herum etwas wandert. Und zugleich muss sie beweglich genug sein, um mit den anderen zusammenzufallen: im Atem, im Einsatz, in der Reinheit eines Akkords. Stabil und elastisch gleichzeitig, wie ein Gewebe, das nur hält, weil jeder Faden seine Spannung kennt und auf die Nachbarfäden reagiert.

Der Atem, das gemeinsame Atmen dieses Gewebes: Jeder Einsatz, jede Phrase entsteht aus dem Atmen wie aus einem einzigen Körper. Das Zuhören ist die ganze Arbeit. Das Gewebe entsteht aus dem Zuhorchen, aus dem Wahrnehmen der Stille und des gemeinsamen Atmens.

Ich selbst – die Dirigentin – mache dabei keinen eigenen Ton. Meine Aufgabe ist es, die Spannung zu halten. Ich führe den Klang, ich ahne voraus, an welcher Stelle ein Faden reißen wird, und balanciere das neu aus. Ich spüre, wenn eine völlig neue Kraft entstehen will und gebe das in den Chor hinein.

So bringe ich das Gewebe in eine völlig neue Spannung.

A capella ohne die Unterstützung eines Instrumentes:  gesungene Intervalle klingen rein. Einen rein gestimmten Akkord spürt man im ganzen Körper. Niemand kann sich verstecken: Jede Unsicherheit liegt offen, und jedes Gelingen gehört allen.

Diese Strahlkraft, wenn mehrere Menschen miteinander singen und aufeinander horchen, bedeutet: Sie drücken in einem großen Vertrauen miteinander Musik aus.

Das ist es, was wir a Cappella-Liebe nennen: eine Musik, in der man sich aufeinander verlassen muss. Seit 2008 probt der Kleine Chor Husum genau das.